Vertrauen

Gemeinsam gegen Fälschungen

Kontrolle und Nachverfolgbarkeit von Medikamenten sind für Boehringer Ingelheim besonders wichtig, denn gefälschte Produkte gefährden die Gesundheit der Patienten. Daher arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit Händlern und anderen Herstellern daran, die Versorgung mit Medikamenten sicherer gegen Fälschungen zu machen. Boehringer Ingelheim geht Verdachtsfällen mit hoher Priorität nach.

Es kommt 100 bis 200 Mal im Jahr vor, dass bei einer Reklamation der Verdacht auf Fälschung aufkommt: Ein Arzt, ein Apotheker, ein Krankenhaus oder ein Patient meldet sich bei einer der Landesgesellschaften von Boehringer Ingelheim: Die Verpackung oder die Tabletten sehen anders aus als gewohnt. Die Chargenbezeichnung und die Angaben zur Haltbarkeit auf der Faltschachtel passen nicht zu den Angaben auf den Blistern oder dem Flaschenetikett, und vielleicht ist auch die erwartete Wirkung nicht eingetreten oder es gab unerwartete Nebenwirkungen. Kurz: Es besteht der Verdacht, dass jemand Medizinern oder Patienten ein gefälschtes Arzneimittel untergeschoben haben könnte.

„Um einen solchen Verdacht untersuchen zu können, bitten wir darum, uns die verdächtigen Produkte einzuschicken, denn nur so können wir eine verlässliche Aussage treffen. In manchen Fällen können Fotos bereits erste Hinweise geben“, erklärt Johannes Schön, der im Unternehmen für die Fälschungssicherheit von Medikamenten zuständig ist. Die eingeschickten Produkte werden dann an das Werk weitergeleitet, in dem Boehringer Ingelheim das entsprechende Original herstellt. „Dort können die Kollegen die Verpackung mit den Rückstellmustern vergleichen und die Produkte chemisch analysieren“, sagt Schön. In mehr als 90 Prozent der Fälle erweist sich der Verdacht als unbegründet. Wenn aber doch etwas nicht stimmt, reicht dies von der Manipulation des Verfalldatums auf der Faltschachtel bis hin zu kompletten Fälschungen des Produkts mit fremden Inhaltsstoffen. „Glücklicherweise ist unser Produktportfolio nicht so stark von Fälschungen betroffen wie das manch anderer Hersteller“, sagt Schön. Bei den Fälschern stehen besonders Anti-Malaria-Mittel, Antibiotika und Lifestyleprodukte im Fokus – beispielsweise Mittel gegen Erektionsstörungen, Diätpräparate oder Haarwuchsmittel.

Arzneimittelfälschungen stellen ein wachsendes Problem dar, nicht zuletzt weil Kriminelle gefälschte Medikamente bequem per Internet vertreiben können: Die jährlich von Interpol koordinierte „Operation Pangea“ hat 2016 mehr als fünfmal so viele Arzneimittelfälschungen und unerlaubte Medikamente mit fast zehnfachem Wert sichergestellt wie noch 2011. Es sind oft Tabletten oder Lösungen ohne jeden Wirkstoff. Manchmal ist der angegebene Wirkstoff zwar enthalten, aber in viel geringerer Konzentration als vorgesehen. Noch schlimmer: Etliche Kriminelle verwenden auch giftige Stoffe, um die Fälschungen herzustellen.

WIE SECURPHARM FUNKTIONIERT

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MEHR SICHERHEIT IN DER LIEFERKETTE

Boehringer Ingelheim engagiert sich seit Langem gegen Arzneimittelfälschungen: einmal mit der abteilungsübergreifenden Arbeit von Johannes Schön und seinen Kollegen vor Ort, vor allem aber, indem man vieles unternimmt, um die Versorgungskette für Arzneimittel von vorneherein sicherer zu machen. Das Unternehmen hat sich über den Europäischen Branchenverband EFPIA intensiv für die neue Fälschungsschutzrichtlinie der Europäischen Union (EU) eingesetzt, die europaweit bis Februar 2019 umzusetzen ist. Noch während die EU-Politik über die genauen Regeln beriet, hatte Boehringer Ingelheim mit der Einführung begonnen – Deutschland und Schweden sind Pilotprojekte.

Gemeinsam mit einem großem Wettbewerber und Vertretern der Pharma-, Großhandels- und Apothekerverbände hat Boehringer Ingelheim 2012 die securPharm-Initiative ins Leben gerufen. securPharm hat ein System entwickelt, um Medikamentenpackungen eindeutig zu kennzeichnen. Ein Data-Matrix- Code, wie man ihn etwa von Bahntickets kennt, enthält verschlüsselte Informationen zu Hersteller und Präparat, zu Chargennummer und Verfallsdatum. In einer zentralen Datenbank sind dieselben Informationen hinterlegt. Sobald ein Apotheker vor dem Verkauf eine Packung scannt, prüft das System, ob die Daten gültig sind, und vermerkt, dass dieses Produkt verkauft wurde. „So kann niemand zweimal dieselbe Packung verkaufen“, erklärt Schön. „Und der Apotheker erkennt eine Packung mit falschem Code sofort.“

ENORMER VORSPRUNG

Das securPharm-System wird seit Januar 2013 in rund 400 Apotheken in Deutschland erprobt. Inzwischen tragen 40 Produkte von Boehringer Ingelheim den Code, Tendenz steigend. „Wenn 2019 die EU-Richtlinie derartige Sicherungssysteme zwingend vorschreibt, haben wir bereits einen enormen Vorsprung“, sagt Schön. Auch außerhalb Deutschlands nimmt das Unternehmen an Fälschungsschutz-Initiativen teil. So kann die Zustellung von Lieferkartons und Paletten genau nachverfolgt werden. Spezielle Siegel sollen verhindern, dass eine Packung vor dem Verkauf unbemerkt geöffnet werden kann.

Boehringer Ingelheim setzt nicht zuletzt auf Aufklärung. Beispielsweise können auch Patienten Fälschungen auf die Spur kommen, wenn sie einige typische Warnzeichen beachten: Ist der Verkäufer vertrauenswürdig, oder war das Angebot doch zu gut, um wahr zu sein? Sieht die Packung aus, als wäre sie manipuliert worden? Finden sich Schreibfehler in den Texten? Haben Tabletten oder Kapseln eine andere Farbe oder Form als üblich? Spätestens dann, wenn ein Arzneimittel anders schmeckt oder riecht als gewohnt, sollten Patienten bei ihrem Apotheker nachfragen oder sich direkt an den Hersteller wenden. Erst recht natürlich, wenn die Wirkung ausbleibt oder die Arzneimittel ungewöhnliche Beschwerden verursachen. „Fälscher werden es wohl immer wieder versuchen“, sagt Schön. „Aber wir können es ihnen gemeinsam so schwer wie möglich machen.“