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Für Landwirt Daniel Woestmann steht die Gesundheit seiner Tiere an erster Stelle. Um Krankheiten frühzeitig zu erkennen, hat er seinen Schweinestall technisch aufgerüstet.

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Lauschangriff im
Schweinestall

Wenn Schweine husten, ist etwas in der Luft. Oder sie sind ernsthaft krank. Boehringer Ingelheim und das belgische Startup Soundtalks hängen Mikrofone in den Stall – um frühzeitig Infektionen zu bekämpfen.

Sobald Daniel Woestmann den Schweinestall betritt, geht es rund. Die Tiere grunzen und quieken; sie drängeln sich um die Futterstelle und bearbeiten den Baumwollstrick, den der 22-Jährige für eine Speichelprobe durch den Raum kreisen lässt. Es riecht, es ist warm – trockene 24 Grad, so wie es Schweine lieben. Vor allem aber ist es laut. Ein Husten fällt da nicht weiter auf. So geht ein mögliches frühes Erkennungszeichen für eine Erkrankung schnell unter.

„Wenn ein Schwein mal hustet, heißt es – wie beim Menschen auch – nicht, dass man sich Sorgen machen muss“, sagt Tierärztin Gudrun Finger. Wenn es staubig ist, entstehe bei Schweinen schnell mal ein Hustenreiz. „Tritt der Husten aber häufiger auf, ist das ein Alarmzeichen und weitere Untersuchungen sind ratsam.“

Doch für einen Landwirt – vor allem, wenn wie bei Woestmann das Futter aus der eigenen Produktion stammt – ist bei all der Arbeit auf dem Hof keine Zeit, die Schweine durchgängig zu betreuen. Hier setzt die Kooperation von Boehringer Ingelheim und dem belgischen Startup Soundtalks ein: die akustische Messung der Hustengeräusche bei den Tieren.

„Der große Vorteil ist: Wir erkennen frühzeitig die Gefahr und können den Tieren schneller helfen.“

Dr. Joachim Hasenmaier,
Mitglied der Unternehmensleitung mit Verantwortung für Tiergesundheit

Künftig kabellos: Die neuesten Mikrofone, die Soundtalks und Boehringer Ingelheim in diesem Jahr auf den Markt bringen, kommunizieren über das Internet.

Ein schwarzes Mikrofon ist in je einem Abteil von vier im Stall von Woestmann verkabelt und hängt gut zwei Meter über den Schweinen in der Luft. Es nimmt die Geräusche der 130 Tiere auf, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ein Algorithmus filtert aus all dem Lärm das Entscheidende heraus: den Husten. So entstehen Datensätze, die Tierärzte auswerten und mit Ergebnissen diagnostischer Proben verknüpfen können. Ein Graph zeigt die Anzahl der Husten in einem bestimmten Zeitraum an. Ausschläge fallen sofort auf. Wird ein kritisches Niveau erreicht, sendet das Programm einen Hinweis an die Tierärzte und -halter. „Der große Vorteil ist: Wir erkennen frühzeitig die Gefahr und können den Tieren schneller helfen“, so Dr. Joachim Hasenmaier, Mitglied der Unternehmensleitung mit Verantwortung für den Bereich Tiergesundheit. Zudem sei eine objektive Messung des Hustens und eine kontinuierliche Verlaufskontrolle möglich.

Die neuesten Mikrofone, die Soundtalks in diesem Jahr auf den Markt bringt, kommunizieren kabellos – und analysieren neben dem Husten auch die Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Einen „Gesundheitsmonitor“ für Schweine, nennt Soundtalks-Chef Dries Berckmans sein Tool, das ohne die Zusammenarbeit mit Boehringer Ingelheim nicht möglich gewesen wäre. „Wir vereinen hier das Fachwissen aus zwei Welten: hier die Soundingenieure und Entwickler, dort die Tierärzte“, so Berckmans.

Schweinehalter Daniel Woestmann ist längst von der Kollaboration überzeugt: Er wird die Technik weiterhin nutzen. Schließlich ist es in seinem Sinne, dass es in seinem Stall auch künftig hoch hergeht – dank vitaler und gesunder Tiere.

Tierärztin Gudrun Finger kann den Schweinen dank digitaler Analyse jetzt zielgerichteter helfen.