MIT VEREINTER KRAFT DURCH DIE COVID-19-PANDEMIE

Zu Beginn des Jahres 2020 wurden die Produktionsstandorte von Boehringer Ingelheim weltweit auf eine harte Probe gestellt. Inmitten der ersten Welle der COVID-19-Pandemie haben sie dafür gesorgt, dass Patientinnen und Patienten weiterhin lebenswichtige Medikamente erhalten. Das ist ihnen nur durch eine besonders enge Zusammenarbeit gelungen.

Im italienischen Fornovo kommt Anfang März 2020 das öffentliche Leben größtenteils zum Stillstand. Die Lombardei, in der auch Fornovo liegt, wurde von COVID-19 besonders hart getroffen. Fast die Hälfte der 34.000 Todesfälle in Italien im Zusammenhang mit der ersten Welle der COVID-19-Pandemie stammt aus der Region; die lokalen Behörden schränken den Alltag ein. Es gibt Ausgangssperren und Kontaktverbote.

In den Fabrikgebäuden von Boehringer Ingelheim in Fornovo aber herrscht hektische Betriebsamkeit. Der Produktionsbetrieb muss schließlich weitergehen: Das Werk Bidachem produziert unter anderem Wirkstoffe für Herz-Kreislaufund Diabetes-Medikamente, die rechtzeitig für Patienten auf der ganzen Welt fertiggestellt werden müssen.

Ärztinnen und Ärzte benötigen dringend Medikamente, um die schweren Begleiterkrankungen, die meist mit einer COVID-19-Infektion einhergehen, irgendwie zu behandeln. Zudem fand weltweit eine starke Bevorratung an Arzneimitteln statt. Kurzum: Das Werk in Fornovo musste im Höchsttempo weiterproduzieren. Und das in diesen dramatischen Wochen. Zeitweise mussten 30 Prozent der mehr als 200 Mitarbeitenden in Quarantäne. Und die mussten sich erst in einem neuen Schichtsystem zurechtfinden, mit Nacht- und Wochenendschichten sowie strengen Abstandsregeln. Keiner durfte sich näherkommen als zwei Meter. „Es waren schwere Wochen“, erinnert sich Standortleiter Dr. Maurizio Sartorato. Trotz aller Widrigkeiten kam es nicht zu Verzögerungen oder gar Ausfällen in der Produktion. Sartorato ist sicher: „Das war nur möglich, weil wir uns standortübergreifend unterstützt haben.“

Die Produktionsstandorte Ingelheim und Fornovo sowie der Laborstandort in Shanghai stehen seit jeher in engem Austausch. Während der COVID-19-Pandemie rückten sie nun noch enger zusammen. „Wir haben uns regelmäßig mit den Kollegen in China und Deutschland abgestimmt“, sagt Sartorato. Jeden Tag haben sich Mitarbeitende der drei Standorte in Videokonferenzen getroffen, um zu planen.

„Die Kollegen in Ingelheim haben zum Beispiel bei der Qualitätskontrolle unserer Analysemuster geholfen“, sagt er. „Ein Anruf in Ingelheim hat gereicht, und die Unterstützung der Kollegen war uns sicher.“

„Ein Anruf in Ingelheim hat gereicht, und die Unterstützung der Kollegen war uns sicher.“
Dr. Maurizio Sartorato
Standortleiter Fornovo, Italien

Auch Dr. Bernhard Rausch, der in Ingelheim die chemische Produktion verantwortet, erinnert sich lebhaft an die erste COVID-19-Welle, in der Flugzeuge am Boden blieben und die Logistik vielerorts zusammenbrach. „Anfang April 2020 haben wir LKW-Transporte organisiert. So konnten wir die lückenlose Produktion verschiedener Medikamente sicherstellen und wichtige Substanzen über den Brenner nach Italien bringen“, erzählt Rausch.

Parallel bemühten sich Kolleginnen und Kollegen aus dem Supply Chain Management und der Einkaufs- und Logistikabteilung darum, die Produkte von Zulieferern statt nach Italien nach Ingelheim umzuleiten. Das Chemiezentrum in Shanghai sorgte unterdessen dafür, dass internationale Lieferketten nicht abrissen und der Nachschub an Basischemikalien gesichert blieb. „Dank der Kollegen in China gab es bei den Lieferungen keine bösen Überraschungen“, sagt Rausch.

Pharmawirkstoffbetrieb: Der Wirkstoff Tiotropium wird im Isolator vermahlen.

Dass die drei Standorte an einem Strang zogen, hat nicht nur für eine lückenlose Produktion gesorgt: Weil zuerst China betroffen war, später dann Italien und Deutschland noch einmal mit Verzögerung, konnten sie voneinander lernen und sich gegenseitig helfen. Dr. Jinsong Yang, Leiter des Chemiezentrums in Shanghai, schickte sein Team Anfang Februar 2020 eine Woche ins Home-Office und holte die Kolleginnen und Kollegen dann unter verschärften Schutzvorkehrungen zurück an den Arbeitsplatz. „Wir haben ein neues Schichtsystem eingeführt, damit weniger Personen gemeinsam arbeiteten und sich so besser aus dem Weg gehen konnten“, so Yang. Die europäischen Kolleginnen und Kollegen in Ingelheim und Fornovo übernahmen das System aus Shanghai.

Als China im Januar 2020 mit steigenden COVID-19- Fällen zu kämpfen hatte, war die Lage in Europa noch überschaubar. Deshalb schickten Ingelheim und Fornovo Gesichtsmasken nach China – denn dort gab es fast keine Schutzausrüstung mehr zu kaufen. Fornovo-Chef Sartorato konnte schon erahnen, was womöglich noch auf ihn zukommen würde. Also bestellte er bereits Anfang des Jahres 2020 mehrere tausend Masken – und hatte dann genügend davon zur Verfügung, als sie in Italien nicht mehr zu bekommen waren. Dieses vorausschauende Handeln rettete am Ende womöglich sogar Leben: „Wir konnten unsere Mitarbeitenden jederzeit schützen“, sagt er. Der Standort Shanghai hatte bereits vorgemacht, wie man der Krise begegnen sollte. Deshalb orientierten sich die Kollegen in Italien und Deutschland an den Hygienemaßnahmen der chinesischen Kolleginnen und Kollegen. „Wir haben von ihnen gelernt, wie wir in unseren Werken für optimale Sicherheit sorgen“, sagt Rausch.

Egal ob in China, Deutschland oder Italien – alle mussten ihre Gewohnheiten drastisch ändern. „In der Anfangsphase mag die Entscheidung, übervorsichtig zu sein, einige Schwierigkeiten verursacht haben, aber sie erwies sich als erfolgreich und ermöglichte es uns, ohne Unterbrechung zu produzieren“, sagt Sartorato. Doch gemeinsam schafften sie es, niemand steckte sich bei der Arbeit an. Pragmatismus, Teamgeist und Hilfsbereitschaft: Die Mitarbeitenden der drei Standorte hielten fest zusammen. „Das“, sagt Rausch, „ist ein wichtiger Grund, warum wir die Situation so gut gemeistert und die Versorgung unserer Patienten mit den für sie lebenswichtigen Medikamenten gewährleistet haben.“