GEMEINSAM GEGEN COVID - 19

Als forschungsgetriebenes biopharmazeutisches Unternehmen ist Boehringer Ingelheim Teil der weltweiten Anstrengungen im Kampf gegen COVID-19. Das Unternehmen bringt seine Ressourcen und seine Kompetenz in die Forschung ein, um so schnell wie möglich wirksame Behandlungen gegen die tödliche Infektionskrankheit zu finden.

Es ist Ende Januar 2020. Der Airbus „Kurt Schumacher“ hebt vom Bundeswehrflughafen Köln-Wahn ab. Sein Ziel: Wuhan im östlichen China. Eine neuartige Lungenerkrankung, COVID-19, greift in der Millionenmetropole um sich. Die Stadt wird auf Befehl der chinesischen Behörden fast vollständig abgeriegelt. Die Luftwaffe holt hunderte Deutsche, darunter Infizierte, aus der Hotspot-Region nach Deutschland zurück. In einer Turnhalle auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens errichtet das Bundesgesundheitsministerium ein provisorisches Krankenlager – mit Feldbetten und Trennwänden aus Kunststoff.

Nicht nur Ärzte und Pfleger erwarten die Rückkehrer, auch Wissenschaftler – unter anderem vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und der Universitätsklinik Köln. Sie nehmen den Infizierten Blut ab, untersuchen es – und isolieren ihre Abwehrzellen. Boehringer Ingelheim pflegt seit Langem enge Kontakte zum DZIF und wird um Rat gebeten. Von der Zusammenarbeit erhoffen sich die Wissenschaftler, in den kommenden Monaten Antikörper zu entdecken und zu entwickeln, die eine neutralisierende Wirkung auf das Virus SARS-CoV-2 haben. Mitte Dezember geht der Forschungsansatz in die klinische Testung: In der Phase-1/ 2a-Studie befinden sich sowohl Infizierte mit SARS-CoV-2 als auch gesunde Menschen.

Als forschungsgetriebenes biopharmazeutisches Unternehmen kämpft Boehringer Ingelheim seit dem Beginn der COVID-19-Pandemie an mehreren Fronten gegen die tödliche Infektionskrankheit:

  • So arbeitet das Familienunternehmen an der Entwicklung von Kleinstmolekülen, die die Vermehrung der Viren hemmen sollen.
  • Bestehende Wirkstoffe, die bisher etwa bei der Behandlung von HIV oder Hepatitis C zum Einsatz kommen, werden auf ihren Nutzen für COVID-19-Patienten untersucht.

EINE GLOBALE ANSTRENGUNG: DER COVID-19 THERAPEUTICS ACCELERATOR

Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung hat mit dem Wellcome Trust und Mastercard im März 2020 den COVID-19 Therapeutics Accelerator ins Leben gerufen. Pharmakonzerne und Life-Science-Unternehmen arbeiten gemeinsam mit Regierungen, Forschungsinstitutionen und Nichtregierungsorganisationen daran, die COVID-19-Pandemie einzudämmen. Boehringer Ingelheim bringt seine Kompetenzen ein und stellt seine Wirkstoffdatenbank zur Verfügung.

Darüber hinaus engagiert sich Boehringer Ingelheim aktiv in internationalen Entwicklungsinitiativen wie dem COVID-19 Therapeutics Accelerator und dem Corona Accelerated R&D in Europe (CARE)-Konsortium der Initiative für innovative Arzneimittel (IMI). Zudem unterstützt das Unternehmen das von der Bill-und-Melinda-Gates- Stiftung initiierte Kommuniqué für den globalen gleichberechtigten Zugang zu Therapien und Impfstoffen. Denn die Forschenden können die Pandemie nur dann stoppen, wenn ein globaler Zugang zu neuen Lösungen gewährleistet ist.

Hoher ungedeckter medizinischer Bedarf

Bei all den Anstrengungen arbeitet Boehringer Ingelheim mit Partnern aus der gesamten Life-Science-Community zusammen. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem DZIF. „Als mich Professor Becker nach der Identifizierung der ersten Antikörper von Infizierten fragte, ob wir nicht gemeinsam an Antikörpern forschen wollen, mussten wir nicht lange überlegen“, erinnert sich Knut Elbers, Geschäftsführer der Boehringer Ingelheim-Tochter ViraTherapeutics und Berater der Forschungsinitiative Research Beyond Borders. Elbers und Becker, der am DZIF den Bereich „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ koordiniert, kennen sich bereits seit vielen Jahren. Das DZIF und ein Forscherteam um Prof. Dr. Florian Klein von der Universität Köln brachten ihre Expertise und Ausrüstung bei der Gewinnung der Antiköper aus B-Zellen der Infizierten in das Projekt ein, Boehringer Ingelheim charakterisierte die Antikörper weiter und produzierte aussichtsreiche Kandidaten im Labor. Das kommt nicht von ungefähr: Boehringer Ingelheim gilt als führendes Unternehmen in der Forschung, Entwicklung und Produktion von monoklonalen Antikörpern und anderen biologischen Arzneimitteln.

„Unsere Wissenschaftler engagieren sich, um schnell wirksame Behandlungsmöglichkeiten für COVID- 19 zu finden. So helfen wir nicht nur den Patienten, sondern entlasten auch die Gesundheitssysteme weltweit, die unter großem Druck stehen.“
Dr. Michel Pairet
Mitglied der Unternehmensleitung Innovation

„Wir arbeiten mit hoher Priorität an diesen neuen Antikörpern und hoffen, dass sie dazu beitragen können, dass Ärzte im Bereich der Behandlung breiter aufgestellt sind“, sagt David Wyatt, Leiter der Gruppe Biotherapeutic Discovery Europe in Biberach und Wien.

Im Gegensatz zu einer Impfung, die Zeit braucht, bis das Immunsystem des Körpers eine entsprechende Antwort gebildet hat, wirken neutralisierende Antikörper sofort nach der Verabreichung. Die neutralisierenden Antikörper sind Immunmoleküle, die sich an Viren anlagern, diese außer Gefecht setzen und so einen Sofortschutz herstellen können. Sie binden an die Oberfläche des Virus und blockieren damit den Eintritt in die gesunden Zellen der Person.

„Unser Ziel ist es, Patienten vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. Oder, dass die Antikörper für Hochrisikopatienten präventiv genutzt werden können“, sagt Wyatt.

Antikörper bleiben trotz der Zulassung von ersten COVID-19-Impfstoffen wichtig. Schließlich wird es dauern, bis alle Menschen geimpft werden können. Und: Impfungen beugen zwar vor und verhindern damit den Ausbruch der Krankheit – aber geimpfte Menschen können das Virus wahrscheinlich trotzdem weitergeben. Das liegt daran, dass das Immunsystem höchstwahrscheinlich nicht in der Lage ist, die Vermehrung des Virus aufzuhalten, wenn es in den Körper gelangt. „Das Virus kann sich möglicherweise weiter in der Bevölkerung ausbreiten und Menschen, die keine schützende Immunantwort entwickeln können, bleiben eventuell weiter anfällig für eine COVID-19-Erkrankung“, erklärt Elbers, „wir brauchen eine breite Palette von Instrumenten gegen COVID-19. Mit der Antikörperforschung leisten wir potenziell einen wichtigen Beitrag dazu.“

AKTUELLE UND ZUKÜNFTIGE MÖGLICHKEITEN IM KAMPF GEGEN COVID-19
VIRUSBEKÄMPFUNG
KRANKHEITSBEKÄMPFUNG
1.
Masken Senken das Risiko einer Virusübertragung
2.*
Impfstoffe Rüsten das Immunsystem für den Kampf gegen das Virus
Antikörper Verhindern ein Eindringen des Virus in die Zellen
Antiviren-Medikamente Senken die Virusproduktion in infizierten Zellen
3.*
Entzündungshemmende Behandlung Reduziert die Hyperinflammation
Thrombolytika Reduziert die Mikrokoagulation

Boehringer Ingelheim erforscht und entwickelt virusneutralisierende Antikörper nicht nur mit dem DZIF, sondern auch im Rahmen des CARE-Konsortiums, kurz für Corona Accelerated R&D in Europe. Das Konsortium besteht aus 37 öffentlichen Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen. Gemeinsam wollen sie die Entwicklung von Therapien für COVID-19 beschleunigen und damit künftige Bedrohungen durch Coronaviren verhindern. Als Mitglied des Konsortiums gibt Boehringer Ingelheim seine Forschungsergebnisse an Life-Science-Unternehmen sowie Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, multilaterale Institutionen und andere weiter.

Bekannter Wirkstoff, neue Funktion?

Parallel zu seinen eigenen Produkten hat Boehringer Ingelheim seine klinische und präklinische Pipeline nach Wirkstoffen durchsucht. Der gewebespezifische Plasminogenaktivator ACTILYSE® ist in vielen Ländern der Welt zugelassen, um nach einem Schlaganfall Blutgerinnsel im Gehirn aufzulösen. Er könnte auch ein potenzieller Kandidat für die Behandlung von COVID-19 sein, da er womöglich einem Organversagen bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten vorbeugt.

„Die wissenschaftliche Community macht gute Fortschritte und wir leisten auf allen Ebenen unseren bestmöglichen Beitrag“, fasst Knut Elbers die Bemühungen von Boehringer Ingelheim zusammen. Die Zusammenarbeit mit Partnern sei dabei entscheidend. Die Menschheit kann diesen Kampf nur gemeinsam gewinnen.

NEUER SARS-COV-2 NACHWEIS AUS WIEN

Forschende im Bio-Center in Wien erreichen mit ihren RT-LAMP-Tests Ergebnisse, die ähnlich spezifisch und deutlich günstiger sind als die PCR-Standardtests. Beim PCR-Test wird das Viruserbgut zunächst in DNA kopiert und dann vielmals dupliziert. Beim RT-LAMPTest reicht hingegen ein Inkubator oder ein einfaches Wasserbad mit einer konstanten Temperatur von 63 Grad Celsius aus. Ein positives Ergebnis ist bereits nach 30 Minuten sichtbar. Es wurden bereits RT-LAMP-Tests mit PCR-Standardanalyse durchgeführt und erste Pilotprojekte für Krankenhäuser in ausgewählten Regionen sind angelaufen.

Die Forschung wird vom Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) durchgeführt. Das Institut beschäftigt 200 Forschende aus 40 Ländern und wird von Boehringer Ingelheim finanziert.