Neue Wege zur Behandlung von Lahmheit

Inspiriert durch eine Erfahrung aus seiner früheren Karriere im Springreiten entdeckte Dr. Jan Spaas eine innovative Methode zur Behandlung von Lahmheit bei Pferden. Als Gründer des Unternehmens Global Stem cell Technology NV (GST) entwickelte er gemeinsam mit Boehringer Ingelheim das Medikament Arti-Cell® Forte und brachte es auf den Markt. Arti-Cell® Forte ist das erste zugelassene stammzellenbasierte Tierarzneimittel.

Jan Spaas ist leidenschaftlicher Reiter und ehemaliger Springreiter. Er wuchs in einer Familie von Pferdeliebhabern auf. „Mein Vater war professioneller Pferdezüchter. Die Gesundheit der Pferde im Auge zu behalten, war ein wesentlicher Teil seiner Arbeit. Ich habe von ihm gelernt, dass die Gesundheit eines Pferdes an erster Stelle steht. Entspannung und Erholung sind für ein Pferd genauso wichtig wie das Training. Dennoch litten einige Pferde immer wieder an Gelenk- oder Sehnenverletzungen“, erklärt Spaas. „Ich konnte einfach nicht glauben, dass es keine Möglichkeit gab, wiederkehrende Lahmheit zu behandeln.“ Lahmheit schränkt Pferde enorm ein. In der Folge beendete Spaas seine Karriere als Springreiter, um Tierarzt zu werden. Das Thema seiner Doktorarbeit: die Entwicklung biologischer Behandlungsmethoden gegen Lahmheit bei Pferden.

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Nahezu alle Pferde leiden im Laufe ihres Lebens einmal an Lahmheit, nicht nur viele Sportpferde. Es gibt verschiedene Ursachen für diese Erkrankung. Aber in 60 Prozent der Fälle ist Osteoarthritis der Auslöser. Osteoarthritis ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die zu Entzündungsprozessen in den Gelenken führt und Knorpel abbaut. Schwellungen und Schmerzen sind die Folge. Diese Erkrankung schränkt Pferde in ihrer Leistungsfähigkeit erheblich ein. „Als ich noch an Wettbewerben teilgenommen habe und sogar während meines Studiums der Tiermedizin gab es nur wenige Möglichkeiten, um Osteoarthritis beim Pferd zu behandeln. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, nach einer regenerativen Methode zur Behandlung wiederkehrender Lahmheit zu suchen. So wollte ich die Gesundheit und Lebensqualität der Pferde verbessern“, sagt Spaas. „Die meisten therapeutischen Ansätze haben lediglich die Symptome behandelt, nicht die Ursache. Deshalb traten die Beschwerden immer wieder auf.“

Die meisten therapeutischen Ansätze haben lediglich die Symptome behandelt, nicht die Ursache. Deshalb traten die Beschwerden immer wieder auf.

Dr. Jan Spaas

Der belgische Tierarzt suchte nach einer Lösung, damit sich die betroffenen Pferde besser fühlen und erholen. Außerdem sollten die Tiere, wo immer möglich, ihr altes Leistungsniveau erreichen. Spaas wollte das Übel der Osteoarthritis an der Wurzel bekämpfen. Im Rahmen seiner Doktorarbeit versuchte er in Reagenzgläsern neues Knorpelgewebe aus den Stammzellen gesunder Pferde zu züchten. „Die wichtigste Erkenntnis war, dass Stammzellen in der Lage sind, die Produktion von Knorpelgewebe zu beeinflussen, wenn sie entsprechend programmiert werden. Auf diese Weise können sie bei der Wiederherstellung von beschädigtem Knorpel helfen.“

Er gründete das Unternehmen GST, um seinen innovativen therapeutischen Ansatz zu einem marktfähigen Medikament zu entwickeln. Wichtig war ihm dabei, auf chemische Zusätze zu verzichten. Die Therapie basiert darauf, dass den betroffenen Pferden Blutstammzellen von Spendertieren injiziert werden. Vereinfacht dargestellt sind diese Stammzellen im Labor darauf programmiert worden, spezifische Signale abzugeben, die das Knorpelgewebe zur Bildung von Matrixproteinen veranlassen. „Dadurch kann sich der Knorpel regenerieren und robuster werden“, erläutert Spaas.

Arti-Cell® Forte wurde speziell für Pferde entwickelt, um eine komfortable und langfristige Lösung gegen wiederkehrende Lahmheit zu bieten.

GST hat die neue Stammzellentherapie an Pferden aus verschiedenen Disziplinen durch umfangreiche Experimente getestet. Die Mehrheit der Tiere hat auf die Therapie angesprochen. „Auch in akuten Fällen klingen Schwellung und Lahmheit innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der Behandlung ab“, so Spaas. Er und sein Team investieren viel Zeit in die Suche nach geeigneten Stammzellenspendern. „Gegenwärtig verwenden wir Stammzellen von vier gesunden Spenderpferden. Wir haben etwa 40 Pferde ausgiebig untersucht, um diese zu finden.“ Der Aufwand hat sich gelohnt, denn der therapeutische Ansatz ist sehr effizient.

GST kooperiert seit 2018 mit Boehringer Ingelheim. Die innovative Stammzellentherapie für Pferde ist seit April 2019 unter dem Namen Arti-Cell® Forte auf dem Markt. „Für uns ist Boehringer Ingelheim der perfekte Partner, um Arti-Cell® Forte weltweit zu etablieren“, sagt der Unternehmensgründer. „Wir teilen das Ziel, Therapien zur Behandlung von Krankheiten zu erforschen, für die es noch keine zufriedenstellenden Behandlungsmöglichkeiten gibt.“