Wir müssen immer wieder Neuland betreten

Haifeng Jiang ist verantwortlich für die Geschäftsentwicklung, Corporate Affairs und die Strategie des Geschäftsbereichs Tiergesundheit in China. Er arbeitet daran, dass Boehringer Ingelheim möglichst vielen Tieren in China Zugang zu innovativen Medikamenten verschaffen kann. Im Interview erklärt er, warum das Unternehmen in China auf lokale Wertschöpfung setzt.

Herr Jiang, seit 25 Jahren ist Boehringer Ingelheim in China tätig. Seither hat sich einiges getan – unter anderem ist die Anzahl der Haustiere stark angestiegen.

Das stimmt, mit dem Wirtschaftswachstum und der Urbanisierung in den letzten Jahren ist auch das Interesse an Haustieren erheblich gestiegen. Viele Chinesinnen und Chinesen halten heute Hunde und Katzen.

Wie sieht es bei den Nutztieren aus?

China ist weltweit der größte Absatzmarkt für Schweinefleisch. Schweinehaltung ist also sehr wichtig. Aber es gibt einige Erkrankungen, die es den Landwirten schwer machen, zum Beispiel die Afrikanische Schweinepest und PRRS. Die Afrikanische Schweinepest ist tödlich für Schweine und es gibt derzeit keine Impf- oder Behandlungsmöglichkeit. Ein wirksames Biosicherheitsprotokoll ist die einzige Möglichkeit, die Krankheitsübertragung zu reduzieren. Mit unserer Expertise in diesem Bereich helfen wir chinesischen Landwirten im Kampf gegen die Krankheit und bei der Entwicklung eines digitalen Instruments zur Bewertung von Biosicherheitsrisiken auf Höfen.

Und was ist PRRS?

PRRS steht für „Porcine reproductive and respiratory syndrome“ und führt bei Schweinen zu Problemen mit der Atmung und Totgeburten. Ist ein Tier krank, erwischt es oft den ganzen Stall. Das lässt das Fleischangebot schrumpfen. Die Krankheit ist eine ernste Gefahr für die Landwirtschaft und bedroht insbesondere die zahlreichen Kleinbauern.

Wie kann Boehringer Ingelheim da helfen?

Boehringer Ingelheim hat das Produkt INGELVAC® prrs mlv entwickelt. Mit diesem effektiven Impfstoff konnten wir uns weltweit, auch in China, einen Namen machen. Ursprünglich wurde er von einem Boehringer Ingelheim-Standort in den USA importiert. Mit der Eröffnung unseres neuen Produktionsstandorts in Taizhou in der Provinz Jiangsu haben wir den PRRS-Impfstoff nun erfolgreich nach China überführt.

Warum hat Boehringer Ingelheim diesen Schritt gemacht?

Um näher an unseren Kunden und dem Markt zu sein. Wir haben nun die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich Forschung und Entwicklung und auch die Produktion von Impfstoffen vor Ort. Das hilft uns, unsere Produkte schneller zu den Landwirtschaftsbetrieben zu bringen.

Was ist Ihre Rolle bei der Markteinführung von Impfstoffen?

Für mein Team und mich beginnt die Arbeit schon lange vor der eigentlichen Einführung. Unsere Kernaufgabe besteht darin, ein positives Geschäftsumfeld in China anzustreben. Boehringer Ingelheim ist das erste multinationale Tiergesundheitsunternehmen, das die gesamte Wertschöpfungskette von der Forschung und Entwicklung über die Herstellung bis hin zum Versorgungs- und Gesundheitsmanagement nach China bringt. Wie Sie sich vorstellen können, müssen wir dabei kontinuierlich Pionierarbeit leisten und immer wieder Neuland betreten.

Neuland betreten ist ein gutes Stichwort – wie sieht Ihre Zukunftsvision aus?

Das Unternehmen investiert und wächst in China, auch unsere Anlage in Taizhou. Wir erwarten eine Erhöhung der Produktionskapazität – mit der wir unserem wichtigsten Ziel einen weiteren Schritt näher kommen möchten: gesunde Tiere in China.